Biosphäre Rhön

Biosphäre Rhön

Das Biosphärenreservat Rhön liegt im Herzen Deutschlands und umfasst Teile der Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen. Mit 185.262 Hektar ist das Gebiet fast doppelt so groß wie die Insel Rügen. Der größte Teil des Gebiets liegt mit 39,3 Prozent in Bayern (72.802 Hektar). Die hessische Rhön macht 34,3 Prozent (63.564 Hektar) der Landfläche aus. Thüringen schließlich kommt auf 26,4 Prozent (48.896 Hektar) der geschützten Kulturlandschaft.
Durch diese seit Jahrhunderten bestehende Trennung entwickelten sich Infrastruktur und Verwaltung in den drei Teilen des Biosphärenreservats jeweils anders. Zusätzlich sorgte der „Eiserne Vorhang" nach Gründung der DDR für soziale und wirtschaftliche Unterschiede in der Region. Nach der Wiedervereinigung wurde der Weg zu einer grenzüberschreitenden Anerkennung frei.
1991 zeichnete die UNESCO das Gebiet offiziell als Biosphärenreservat aus.
Da sich die drei Länder Bayern, Hessen und Thüringen die Verantwortung für das Biosphärenreservat Rhön teilen, wurde unmittelbar nach der Anerkennung durch die UNESCO von 1991 bis 1995 gemeinsam mit den in der Rhön lebenden und arbeitenden Menschen ein so genanntes „Rahmenkonzept“ als Leitbild für das Biosphärenreservat Rhön erstellt.Unter der Einbindung aller Kommunen, Landkreise, Fachverwaltungen und gesellschaftlichen Gruppen in der Region wurden Vorstellungen zur weiteren Entwicklung der Rhön im Konsens erarbeitet und abgestimmt.
Nachhaltige Entwicklung als Leitbild für das Biosphärenreservat Rhön
Als übergeordnetes Ziel des Biosphärenreservats gilt die Erhaltung der offenen Kulturlandschaft mit ihren Lebensräumen und gleichzeitig deren dauerhaft-umweltgerechte Nutzung. Es sollen Wirtschaftsformen besonders gefördert werden, die sich durch Umweltverträglichkeit und Schonung der Ressourcen auszeichnen. Dies betrifft alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen, insbesondere aber die Land- und Forstwirtschaft, ferner die Siedlungsentwicklung sowie Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur, welche die Landschaft besonders prägen. Die Vernetzung dieser Wirtschaftsbereiche soll zur Erhöhung der regionalen Wertschöpfung beitragen und Arbeitsplätze im ländlichen Raum erhalten und schaffen.
Zonierungskonzept:Verschiedene Ziele – verschiedene Zonen
Das im Rahmenkonzept verankerte Leitbild vereint viele unterschiedliche Zielvorstellungen und Blickwinkel. Sie lassen sich nicht alle auf ein und derselben Fläche verwirklichen. Daher wird die Rhön – wie alle Biosphärenreservate - in eine Kern-, Pflege- und Entwicklungszone aufgeteilt. Die Zonen unterscheiden sich nicht in ihrer Bedeutung oder Wertigkeit. Die Zonierung bedeutet lediglich, dass Teilräume innerhalb des Biosphärenreservats unterschiedliche Funktionen wahrnehmen sollen und dementsprechend mit unterschiedlichen Zielen belegt wurden.
Kernzone: Schutz der Dynamik natürlicher Prozesse
Die Kernzone ist von direkter Nutzung unbeeinflusst und umschließt vor allem naturnahe Laubwälder und Moore sowie Sukzessionsbereiche - das sind ehemals genutzte Bereiche, die nun ihrer freien Entwicklung überlassen werden. Im ganzen Biosphärenreservat gibt es keine Flächen mehr, die von menschlicher Nutzung gänzlich unberührt sind. Die Kernzonen wurden in Bereichen ausgewiesen, in denen künftig auf steuernde Eingriffe gänzlich verzichtet werden soll. Der Flächenanteil der Kernzone beträgt ca. 2 %.
Pflegezone: Erhaltung der biologischen Vielfalt
In der Rhön hängen die naturschutzfachliche Ausstattung und Qualität des Gebiets untrennbar mit der menschlichen Nutzung zusammen. Daher liegt ein deutlicher Schwerpunk für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Pflegezone. Sie umschließt Bereiche, die durch menschliche Nutzung, insbesondere die traditionelle Land- und Forstwirtschaft, in Jahrhunderten entstanden sind und deren Qualität für den Naturschutz nur durch eine Weiterführung dieser Nutzungen gewährleistet werden kann. Die Pflegezone dient darüber hinaus dem Schutz der Kernzone vor Beeinträchtigungen, insbesondere von nutzungsbedingten Nähr- und Schadstoffeinträgen und Störungen.
Auf Grund des hohen Flächenanteils der Pflegezone wurde im Rahmenkonzept des Biosphärenreservats - abweichend von der deutschlandweit üblichen Zonierung - die Pflegezone in die Teilzonen A und B unterteilt. Die Pflegezone A enthält die wertvollsten Bereiche der Rhön hinsichtlich des Arten- und Biotopschutzes und hat die höchste Priorität bei der Erhaltung und Förderung (Landschaftspflege). Sie enthält Lebensräume mit besonderer Empfindlichkeit gegen Störungen. Daher ist auf weitere Erschließungsmaßnahmen in diesen Bereichen zu verzichten und sind besucherlenkende Maßnahmen besonders dringlich umzusetzen. Die Pflegezone B umfasst ebenfalls wertvolle Kulturlandschaften. Jedoch haben hier die Landwirtschaft und die forstliche Nutzung einen wesentlich stärkeren Schwerpunkt. In diesen Gebieten kommt es daher auf die enge Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fremdenverkehr und anderen Nutzungen an, um Landnutzungsformen zu entwickeln, die unter sich verändernden Rahmenbedingungen die Erhaltung der Kulturlandschaft sicherstellen. Der Flächenanteil der Pflegezone beträgt insgesamt ca. 40 %.
Entwicklungszone: Wirtschafts- und Ideenpotenzial für eine nachhaltige Entwicklung
Die Entwicklungszone ist der für die wirtschaftliche Entwicklung wichtigste Bereich des Biosphärenreservats. Hier liegen land- und forstwirtschaftliche Produktionsflächen und befinden sich Siedlungen und Gewerbegebiete.
Der Flächenanteil der Entwicklungszone beträgt ca. 58 %.
Die Homepage des Biosphärenreservates finden Sie hier.


Lesezeichen/Weitersagen